semestre cordobés

16/12/2016

El Caminito del Rey

Unser letzter Ausflug in die andalusische Wildniss führt meine Freunde und mich zum Caminito del Rey. Ein kleiner touristischer Spaziergang entlang einer eindrücklich steilen Felswand. Früher schlängelte sich hier ein gefährlicher schmaler Steig dem Abgrund entlang bis zum Kupferbergwerk. Heute ist der Weg für Kinderwagenverhältnisse ausgebaut und jeder bekommt noch einen Helm aufgesetzt. Diesen darf man unter gar keinem Umstand abnehmen! Trotz des ganzen Tamtams, muss man aber schwindelfrei sein und die Aussicht und die Landschaft machen schlussendlich alles wieder gut. Der blaue Himmel und die warmen Dezembertemperaturen übrigens auch!

Das war’s dann wohl für’s Erste. Morgen geht’s wieder nach Hause!

Hasta la proxima aventura!

02/12/2016

De fiesta

Wenn der Spanier ausgeht, dann so richtig. Was heißt überhaupt “wenn”? Der Spanier geht immer aus! Egal ob unter der Woche oder vier mal nacheinander. Und vorallem, so lang wie möglich! Um 21.30 Uhr triff man sich, um 22.30 Uhr kann man endlich Abendessen und schon verfliegt die Nacht im Nu. Plötzlich ist es 2.00 Uhr Morgens. Dann fängt der Spanier erst richtig an. Man geht in den überfüllten Club und tanzt und tanzt und singt und vor 6.00 Uhr geht bestimmt niemand heim. Von wegen Spanien und Gemütlichkeit und Siesta! Ich habe das Gefühl, die Meisten hier schlafen überhaupt nie. Jedesmal wenn ich da versuch mitzuhalten, bin ich am nächsten Tag tot. Nicht aber der Spanier, der schläft drei Stunden und ist wieder top fit und genehmigt sich zum Mittagessen bereits ein neues Bier.

Das schönste an der ganzen Fiesta ist aber die Zeit in der Tapas Bar. Dann packt der Spanier seine Gitarre aus und singt einem herzzerreißende spanische Balladen im Flamenco Stil. Und schlussendlich klatschen alle im Rythmus mit und singen sich das ganze spanische Temperament aus der Seele. Und die Bar verwandelt sich in ein einziges Fest und alle machen mit, als würden sie nie was anderes machen.

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25/11/2016

Passeggiata d’autunno per il centro di Cordoba

Dopo quattro giorni a letto con la tosse e il mal di testa, ho finalmente ritrovato le forze per uscire. In quei giorni rinchiusi a casa l’autunno, quello vero, con il vento e le foglie colorate a terra è arrivato anche a Cordoba. Le arancie e le olive sono quasi mature, il fiume “Guadalquivir” è carico di acqua per le piogge degli ultimi giorni ed il sole è ormai debole però continua a scaldare chi, come me, passeggia tranquillo per le stradine del centro storico. Che vita! Arrivata la sera il cielo si colora di rosa e di rosso e nei ristoranti del centro iniziano gli spettacoli di flamenco come se fosse piena stagione turistica, anche se in strada non c’è più nessuno.

16/11/2016

Curso nr° 2: Unmaned air vehicles (UAV)

Es ist 19 Uhr und ich sitze immer noch in meinem Kurs. In einer Vorlesung in der ich absolut gar nichts verstehe. Es geht um Drohneneinsatz in der Landwirtschaft. Nun warte ich hier also, dass der Computer meiner Mitbewohnerin, die ganzen Pixels und Koordinaten von irgendwelchen Thermofotos und ihren Ground Counter Points verbindet und mir daraus ein 3D Model eines Olivenhains bastelt. -Häää?- Aber eines nach dem anderen. Wieso ich den Computer meiner Mitbewohnerin habe? Weil mein Mac leider nicht kompatibel ist mit den Windows Programmen zur Kartographie und der Datenprozessierung unserer Unidrohne. Und außerdem – so der Hilfsassistent- ist mein Mac Book wahrscheinlich schon älter als ich. -Computerfreaks!- Nach meiner anfänglichen Verwirrung auf dem Gebiet der Photogrammetrie, beginne ich langsam einige Lichtpunkte zu sehen. Vielleicht wird auch aus mir mal so ein computerbegeisterter Ingenieur. Oder eben auch nicht. Was wir hier machen? Mit einer Drohne über ein Olivenfeld fliegen, Fotos mit einer Multispectral- und einer Thermographiekamera schießen und deren Aufnahmen dann verarbeiten. Anschließend kann man so Aussagen machen über die Temperaturverteilung im Olivenhain und tolle 3D Modelle der Parzellen erstellen. Ob man damit auch wirklich was anstellen kann? Nicht wirklich. Irgendwie funktioniert die ganze tolle Technologie noch nicht so richtig und man kann diese für die agrarwissenschaftliche Praxis eigentlich noch nicht umfassend gebrauchen. Aber wir sind die Vorreiter der Zukunft! -Ha, ha, ha- Die Vorlesung gestaltet sich somit für mich, recht amüsant. Ich finde das Thema zwar spannend, doch mach ich mir nicht allzuviel aus diesen coolen Drohnen und schmunzle bei der Begeisterung meiner Studienkollegen. Und manchmal vergeht mir das Lachen ganz schnell wieder und ich fühle mich richtig dumm, weil ich so wenig Ahnung von all dem Zeug habe.

Man muss aber für alles offen sein und so habe ich heute mit einer Studienkollegin beschlossen, dass wir uns spontan beim morgigen „Start Up Weekend Córdoba“ anmelden. Ein zweitägiger Workshop mit vielen jungen Leuten, noch mehr Freaks und wahrscheinlich wenig Schlaf, zum Thema Start Ups, Technologie und Innovation. -Olé!-

08/11/2016

Granada

Granada gefällt uns unglaublich gut. Ein bunter, lebendiger, manchmal chaotischer Mix aus Studenten, Hippies, Touristen, Punks und arabischen Händlern. Vielleicht liegt das auch daran, dass unser AirBnB Zimmer sich genau an der Haupthandelsstrasse für Kitsch, Souvenirs und glitzerndem Schnickschnack im arabischen Stil befindet. In der “Calle Elvira”. In einem weiteren Seitengässchen treffen wir auf einen sympathischen marokkanischen Verkäufer, dessen Laden weniger organisiert, als der seiner Nachbarn aussieht und seine Tochter, beim Serien schauen auf dem Handy, den Eingang versperrt. Wir fragen uns, wie er überhaupt etwas verkaufen kann. Wahrscheinlich durch seine Art und seinen Weisheiten über die Menschheit und die Welt. Hinter dem Trubel erstreckt sich das wunderschöne muslimische Viertel “Albacín”, das wir drei Tage lang rauf und runter laufen und immer wieder auf etwas Neues stoßen.

Schon am ersten Abend entdecken wir das eindeutig coolste an Granada: die Tapas. Zu jedem Getränk werden hier neue Köstlichkeiten serviert. Wir verzichten auf Abendessen im Restaurant und starten los. Tortilla mit Tomatensauce, Gambas, Brötchen mit Aubergine, Geschnetzeltes mit Zitronenreis, Paella, Schinken, Fischbrötchen, Oliven, Crêpes und und und… Schnell erkennen wir, dass der Spanier am glücklichsten is(s)t, wenn er was Frittiertes auf dem Teller hat. Ansonsten scheint das Glück nicht komplett und auch die Kleider würden am Abend viel weniger nach Fritteuse riechen. Je nach Bar variiert die Vielfalt und Kreativität der Tapas. Vom rausgeputzten Neonlichtschuppen bis zur traditionellen vollgestopften Kneipe mit den Schinkenkeulen die von der Decke hängen und den eingefleischten Kellner die in dem Chaos und Geschrei noch genau wissen wer was und wo bekommt, findet sich alles. Jedenfalls hören diese Tapas nie mehr auf und auch nach Mitternacht bekommen wir immer noch ganze Mahlzeiten aufgetischt. Irgendwann finden wir: “Das ist jetzt nicht mehr lustig!”.

Ach ja und dann gibt es in Granada ja auch noch die Alhambra. “Aso vo de Alhambra han ich ez no nie öppis ghört”, mein Sami. Dann muss man dahin -beschließe ich-. Und so machen wir uns früh Morgens, mit den einen Monat im Voraus gebuchten Tickets, auf den Weg zu DEM Königspalast der Mauren. Am besten gefallen uns die Gruppe spanischer Jugendlicher die sich im Coole-Selfies-machen üben, der chinesische Profifotograf mit olympischer China-Jacke und olivgrüner Mao-Kappe und die Gärten voller Blumen, Auberginen und Paprika. Auch die vielen Gärtner, ältere Herren in einheitlicher Uniform, die sich überall in Grüppchen treffen und angeregt diskutieren und fachsimpeln, während einer mit der Heckenschere herumfuchtelt, finden wir bemerkenswert. Natürlich fazinieren uns aber auch die ausgeklügelten Bewässerungssysteme sowie die unglaubliche Handarbeit die hinter diesen Mauern stecken.

03/11/2016

Puente de los muertos – II

Sami bekommt ein Mountainbike – m mi mit Scheibenbremse und so Sachen-. Wir können also los fahren. Zuerst geht es mit dem Bus nach Jaen. Dort werden wir von den gestressten Autofahrern durch die Stadt gehetzt, bis wir endlich den Anfang der “via verde” erreichen. Die via verdes sind ehemalige Bahngleise, die vor einigen Jahren zu Wander- und Fahrradwegen umfunktioniert wurden. Unsere kleine Fahrradtour führt uns also 120 km von Jaen nach Lucena über die “Via verde del aceite” (So was wie die südtiroler Weinstraße für Olivenöl). Olivenhaine so weit das Auge reicht!

Von Jaen nach Baena hält sich der Gegenverkehr sehr in Grenzen. Tatsächlich sehen wir mehr Hasen, die uns über den Weg hoppeln, als Menschen. Die Nacht verbringen wir in einer hässlich-kitschigen und doch sympatischen Pension in Baena. Baenas Altstadt tront majestätisch auf einem Hügel zwischen den Olivenbäumen. Wie alles in Spanien werden auch hier, Kirche und Burg, nachts höchst spektakulär von Lichtern und Farben beleuchtet.

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Zuheros, einem kleinen weißen Dorf auf den Felsklippen. Wir schlendern durch die Gässchen und genießen unser spanisches 11-Uhr-Frühstück: Tostada mit Olivenöl, Tomatensauce und gereiftem Ziegenkäse. Irgendwie bekommen wir mit, dass es im Ort eine Käserei geben sollte. Wir sind uns sofort einig, dass wir dahin müssen. In einer vollgestopften Traktorgarage treffen wir auf fünf freundliche Herren. Diese sind zwar gerade dabei zwei Wildscheine auszunehmen, aber erklären uns gerne den Weg. Wir düsen also 2 km den Hügel runter, stopfen den Rucksack voll mit Schaf- und Ziegenkäse und strampeln anschließend den  Weg wieder hoch, um auf unserer via verde weiter zu fahren. Alles für den Käse!

Am späten Nachmittag kommen wir schließlich in Lucena an. Dort gibt’s noch eine Sightseeingrunde  durch die öffentliche Fitnessanlage im Park. Und zurück nach Córdoba…

02/11/2016

Puente de los muertos – I

Das Wochenende der Heiligen und der Toten beginnt, als wir am Samstagmorgen beim Frühstück ein seltsames Gemurmel von der Strasse hören. Neugierig schauen wir vom Balkon runter und sehen eine riesige Marienstatue. Schwarz und Gold geschmückt, zieht sie an uns vorbei. Hinter ihr eine Prozession an gläubigen und weniger gläubigen Spaniern. Der Pfarrer, ein paar alte Damen mit Gehstock, Ministranten, ein Mann mit Handy und Zigarette und ein paar rausgeputzte Frauen. Alle summen die spanische Version des Ave Marias vor sich hin, nur die zwei Männer in der letzten Reihen unterhalten sich lauthals über ihre Woche.

Ein wenig später machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof, um dort Zugtickets für unsere Fahrradtour und unsere Reise nach Granada zu kaufen. So leicht ist das aber nicht. In manchen Zügen darf man kein Fahrrad mitnehmen, in Anderen weiß man nicht so recht. Nach Granada gibt es eine Baustelle und deshalb wird die Strecke hauptsächlich mit dem Bus bedient. Nach langen hin und her, Datum, Uhrzeiten, Fahrrädern, Samis Interailticket und meinem Zugabo, rät uns der nette Herr hinter dem Schalter doch zum Busbahnhof zu gehen. Dieser sei gleich auf der anderen Strassenseite, Fahrräder wären dort kein Problem und die Tickets würden dort sowieso weniger kosten. -Hallo Bus also!- Effektiv läuft am Busbahnhof alles tadellos und in geschätzten zwei Minuten haben wir unsere Tickets. Auch hier gilt es allerdings zu beachten, dass jede Stadt von einem anderen Busunternehmen angefahren wird und man daher jedes Ticket an einem anderen Schalter kaufen muss.

Es ist schon fast Mittag und so treffen wir uns mit einer Freundin von mir und fahren mit ihrem Auto durch die cordobesische campiña (Landschaft). Olivenhaine über Olivenhaine, dann Rebberge und weiter südlich die ersten Orangen- und Zitronenplantagen. Nach einer endlosen Autofahrt -wir haben uns wohl etwas verfahren- erreichen wir unser Ziel. Irgendwo im Nirgendwo findet nämlich ein kleines Hippiefest statt und da wollen wir hin. Die Landschaft ist wunderschön. In der Ferne sieht man Málaga und gleich dahinter das Meer. Das Hippiefest ist dann wirklich sehr Hippie. Auf der kleinen Farm in den Hügeln wurde alles schön hergerichtet und es gibt hopfenlastiges Bier, gutes Essen, bunte Menschen und viel Hunde. Nur die zwar gute, aber überdurchschnittlich laute Musik, die aus einer Sammlung von rund zehn Boxen dröhnt, passt nicht ganz zur Ruhe und Hippiegkeit dieses Ortes. Sobald es dunkel wird, schwingen sich alle auf den Dancefloor und so geht es weiter bis wir alle recht erschöpft sind und beschliessen wieder heim zu fahren.

(Fortsetzung folgt..)

27/10/2016

Palacio de la Viana

Liebe Blogleser, wie ihr vielleicht bemerkt habt, ist meine Eintragsfrequenz drastisch gesunken. Der Grund: ganz einfach. Wenn’s einem gut geht, dann meldet man sich weniger – so die allgemeine Regel in meiner Familie 😉 Außerdem habe ich am Montag Sami vom Bahnhof in Cordoba abgeholt -auch nicht ganz unwichtig- und nun bin ich voll eingespannt zwischen Studentenleben, Tourismus und Urlaub. Schlecht geht’s uns hier also nicht: Am Morgen fahre ich an die Uni und am Nachmittag erkunden wir gemeinsam die Stadt. Am Abend essen wir Tapas und genießen das pulsierende Leben dieser Stadt (die es schafft viel länger wach zu bleiben als wir!). Sami konnte zudem die coole Spiegelreflexkamera seines Bruders mitnehmen, damit ich auch schöne Fotos von Andalusien machen kann und nicht nur die schnellen Schnappschüsse mit dem Handy. So waren wir gestern in voller Touristenmontur im Palacio de la Viana um dort die zwölf wunderschönen Patios zu bestaunen (wohl gemerkt, ein Haus mit zwölf Innenhöfen!). Leider waren wir Beide mit der modernen Technologie und der hohen Kunst der Photografie reichlich überfordert und mussten am Abend erst noch professionellen Rat vom Experten einholen. Blende, ISO, Weißabgleich und Co. -Ja ja das schaffen wir schon noch!-

23/10/2016

Un posto nascosto

Da due giorni piove. Ed è pure arrivato il freddo. Così mi rifugio in casa e penso al bellissimo posto che i miei amici ed io abbiamo scoperto il fine settimana scorso. A pochi chilometri dalla città di Cordoba, un po’ in collina si trova il lago “la encantada” ed è proprio così: un posto incantevole. Ci godiamo il sole sulla pelle il profumo del rosmarino, della salvia e del corbezzolo nell’aria. Dopo aver girato tutto il lago decidiamo di fermarci pure per una cenetta-pic nic perché non vogliamo mai più andarcene da quì.

photos by Marie & Alina

22/10/2016

Abbás Ibn Firnas

19/10/2016

El otoño

Der Wetterbericht meldet Regen. Draussen scheint die Sonne und das Thermometer zeigt 29°C. Kein Wunder, dass ich manchmal erschrecke wenn ich realisiere, dass wir schon Mitte Oktober haben. Den Spaniern scheint das vollkommen klar zu sein. Es ist „otoño“ (Herbst). Kaffee schlürfend stehe ich auf meinem Balkon, die starke Mittagssonne wärmt mich und mir ist im „Trägerleibele“ schon fast heiß. Griesend schaue ich auf das Geschehen in der Gasse unter mir. Ein spanischen Pärchen läuft gerade vorbei. Sie unverkennbar: lange schwarze Haare, dunkle Haut, hohe glitzernde Plateau-Sneakers, enges T-shirt, weiter Pulli und die Handtsche unter dem Arm geklemmt. Und er ebenso: dunkle kurze Haare, Bart, kariertes Hemd, Jeanshose, braune Leder-Mokassins, schwarzer Rucksack und Jacke. Abgesehen von den hohen Plateauschuhen -herrlich- ja nichts ungewöhnliches. „Aber verdammt nochmal draußen sind 29°C! Wieso Pulli und Jacke?“, frage ich mich. Das Thermometer ist den Spaniern ganz offensichtlich egal. Es ist Herbst und damit hat sich die Kleiderfrage erledigt. Manche Geschäfte haben ja auch schon auf ihre Winteröffnungszeiten umgestellt, da scheint mir eine schöne warme Jacke nur gerechtfertigt.

Und so häufen sich die kleinen Unterschiede und Eigenheiten und bringen einem zum Augen verdrehen und zum Schmunzeln. Kulturschock, Kulturunterschied, Vorurteil, Tatsache. Männer und Frauen können nicht befreundet sein, Wein trinkt man mit Limonade und Eiswürfeln, zur Begrüßung zwei Küsschen -keine Hand-, um 01.00 Uhr fängt die Nacht erst an, kommuniziert wird über Sprachnachrichten auf WhatsApp, einer Frau hält man immer die Tür auf und unendliche Hilfsbereitschaft ist das natürlichste der Welt. Alle Andalusier haben im Oktober eine Jacke an, alle Deutschen tragen weiße Socken und Sandalen. Alle Italiener schreien laut herum und alle Menschen lächeln zurück, wenn man man sie anlacht.

Auch in der Uni merke ich, dass es nicht mehr September. Alles beginnt sich normal anzufühlen. Meine Banknachbarn drehen sich zu mir um ihr Kommentar über den Professor loszuwerden, Javier wartet auf mich um mich ein Stück mit dem Auto mitzunehmen -zwischendurch lass ich mein Fahrrad nämlich zu hause und komme mit dem Zug damit die Spanier das Gefühl haben, ich sei trotzdem noch ein bisschen normal-, der Professor fragt mich ob seine Stunde heute stattfindet und Juan fragt mich (!) was das vor uns für eine Olivenbaumsorte ist. Das einizige was mich nach wie vor stört, ist dieser abgelegene und lieblose Campus. Aber da bin ich wohl nicht die einzige und eigentlich sind alle Studenten froh wenn sie so schnell wie möglich von dort wegkommen und wieder in Cordoba sind.

14/10/2016

La Mezquita
Nach vier Wochen in Córdoba getraue ich mich endlich zu diesen alten Mauern. Darum kommen also alle Reisenden hierher (sowie auch Mami, Eli und ich vor 8 Jahren!). Die Mezquita. Eine riesige Moschee aus dem Zeitalter der Mauren in Spanien. 856 Säulen mit eindrücklichen Doppelbögen und wunderschöne Verzierungen an den Wänden und Türen. Natürlich konnte man dieses Meisterwerk nicht so belassen, darum hauten die Katholiken im 16. Jahrhundert eine gotische Basilika mittendrein. Angeblich soll Kaiser Karl V beim Anblick des Umbaus gesagt haben: „Ich wusste nicht, um was es sich hier handelte. Denn wenn ich es gewusst hätte, hätte ich nicht erlaubt, dass man Hand an das alte Gebäude legt. Ihr habt getan, was möglich war, etwas erbaut, was es andernorts schon gibt, und dafür habt ihr etwas zerstört, was einmalig in der Welt war“ (Wikipedia ergänzt: Es ist jedoch nicht sicher, ob dieser Ausspruch wirklich Karl zuzuschreiben ist. -So was-). Nicht desto trotz ist die Mezquita auch heute noch ein unglaublich eindrucksvoller Ort. Wenn sich am Morgen um 8.30 Uhr die Tore zur Moschee öffnen warten die eifrigsten aller Touristen schon vor dem Eingang. Einige laufen fünf Meter in die Moschee hinein, zücken sofort ihre Canon EOS D -irgendwas- und dann geht’s los. Man möchte glauben sie schauen mehr in ihre Kamera als dieses prachtvolle Gebäude  mal mit eigenen Augen zu betrachten. Vielleicht sehen die Kamerabilder auch besser aus als die Realität: tolle Lichteffekte, kleine Details, keine Touristen mit Fotoapparat. Die kleine Fotowelt unter sich. Vielleicht bin ich aber auch mal wieder zu hart, schliesslich ziehe auch ich mein Handy hervor um verstohlen ein paar Bilder zu machen. Sonst gibt es Protest von zu hause wo denn die Bilder bleiben. Dennoch kann ich mir Zeit lassen und mich auf eine Bank in der Ecke setzten und alles in Ruhe beobachten und genießen. Alles was ich heute nicht sehe und abblitze, ist morgen auch noch da und ich ja auch. Außerdem ist das schönste an der Mezquita nicht das was man mit dem Auge sieht sondern die Atmosphäre, die Kraft und die Ruhe die man hier spürt.

12/10/2016

Der erste Monat

Letzten Donnerstag platzte mir fast der Kopf. Wie immer bei diesen “ich zieh mal kurz für ein paar Monate in ein anderes Land”-Ideen, gestalten sich die ersten Wochen ähnlich schwierig. Ein Auf und Ab der Gemütszustände und Launen. Pure Begeisterung, Langweile, Frust und Adrenalin. Und dann plötzlich platzt einem der Kopf und man muss raus! Ich hatte genug von den Leuten und der Stadt und vor allem genug von diesem Gefühl, alles Mögliche versuchen zu müssen um mich anzupassen, mich einzuleben und so schnell wie möglich kein Tourist mehr sein sondern Ureinwohner. Meist läuft das Einleben aber doch nicht so schnell wie ich das gern möchte und dann frage ich mich “Was zum Kuckuck mache ich hier?”. Und so fühle ich mich gerade. Glücklich und abenteuerlich und gelangweilt zugleich. So ist das eben mit diesen Ideen und inzwischen kenne ich mich damit recht gut aus. Also lächle ich in mich hinein und denk mir “Anna, no te preocupes”. Der erste Monat ist immer schwierig, doch ist es im Nachhinein auch jener, an den man sich am wenigsten erinnernd und jener zu dem man wieder zurückspulen möchte um das Ganze nochmals zu erleben.

Heute ist übrigens Nationalfeiertag. Am 12/10/1492 erreichte Christophorus Columbus (auf spanisch Cristóbal Colón, von dessen Namen das Wort “Kolonialisiserung” stammt!) anscheinend die “Américas”. Die Cordobesen freuen sich heute aber ganz besonders und aus einem ganz anderem Grund: Es regnet!

09/10/2016

Nerja

Quasi per caso, quasi non volendo, sono magicamente finita al mare…di nuovo! Un weekend a Nerja con tanto di sole, spiaggia e mare. Nerja è una cittadina bellissima sulla Costa del Sol in provincia di Málaga. Nerja si arrampica sugli scogli e varie stradine e scalinate portano direttamente dal centro città in spiaggia e da lì all’acqua cristallina. Nerja è famosa per il cosidetto “balcón de Europa” una piattaforma diritta verso il mare e che ofre una vista spettacolare. Di spettacolo questo weekend ce n’era poi abbastanza. Alla “fería” della città si presentavano sul palco non solo le ballerine di flamenco ma anche il caro uomo ragno e compagnia per intrattenere i bambini (dicono). Intanto i promessi sposo spagnoli si fanno riprendere sdraiati in spiaggia per LA foto del loro matrimonio e pure quella del secolo! Sono pazzi questi *…*

Poi vi racconterò come mai sono finita lì.. 🙂

06/10/2016

So i bin des Wochenende mol wieder weg…Richtung Meer! Demol geat’s noch Nerja, Málaga! (Bilder kemmen donn no!)

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04/10/2016

Mr. Conor

Radfahren in Cordoba ist eine Kunst. Gleich am ersten Tag, an dem ich um 8 Uhr morgens zu Fuß die große Avenida hinauf zum Bahnhof marschierte, war mir klar: ich brauche ein Fahrrad. Cordoba ist zwar klein, aber zu Fuß bin ich trotzdem recht langsam. Den Bus hab ich schon längst abgeschrieben und auch die S-Bahn zur Uni schrenkt mich in meiner Zeitplanung recht ein (der Zug fährt nur einmal pro Stunde). Im Verhältnis zum Joggen, scheint sich die spanische Begeisterung für’s Fahrrad fahren etwas in Grenzen zu halten. Nur zwischendurch begegnet man einem einsamen Fahrradfahrer (meist ein anderer Austauschstudent). Eigentlich erstaunlich, bemühen sich doch Gesundheitsministerium und Uni das alte Rad wieder in Mode zu bringen. Es gibt immer wieder einsame Fahrradständer, einzelne, dafür breite Fahrradwege und sogar einen ganz neuen Weg bis zur Uni (dieser fängt irgendwo in Cordoba an und führt anscheinen bis zum Campus!). Das Tollste aber: die Uni verleiht 50 Fahrräder gratis! Da melde ich mich natürlich sofort an und -voilà- jetzt hab ich ein super cooles Mountainbike. Die Räder sind dreimal so dick wie jene meines Migros-Stadtrads in Zürich und zum Abschließen gibt es sogar zwei Schlösser (Eines für Sattel, Rahmen und Hinterrad und das Andere für Vorderrad, Rahmen und Fahrradständer). Dazu bekomme ich auch noch zwei Lichter und meinen ersten Fahrradhelm seit ich 12 bin. Cool! (Sami freut sich, endlich eine echte Schweizer Velofahrerin!!)

Sogleich teste ich also die famose Unistrecke und fahre vom Campus Richtung Cordoba-Stadtzentrum. Acht Kilometer sollten es sein. Ich verfahre mich natürlich sofort und lande quasi auf der Autobahn. Als ich den Fahhrradweg doch noch finde, strample ich gute zehn Minuten in der prallen Sonne umher, dann sehe ich die ersten Häuser des Stadtviertels Fatima. Sobald ich in Cordoba ankomme, fängt der Spaß erst richtig an. Hauptstrasse, Einbahn, Autos, gefährliche Kreuzungen, Ampeln. Ich verliere mich irgendwo in der Stadt und brauche mindestens doppelt so lang wie nötig, bis ich zuhause bin. Puerta Sevilla, das ist mein Stadttor. Morgen Morgen werde ich einen neuen Anlauf starten und vorher sicherheitshalber nochmals Mr. Google Maps fragen, was er in solchen Situationen macht.

02/10/2016

Yandafest

musica: Técanela – Me has dejao cegao

Auch dieses Wochenende geht’s auf Entdeckungsreise mit meinen deutschen Freunden. Wir fahren zu einer “finca” in der Sierra Morena. Dort findet ein kleines Festival statt. Campingplatz unter Eichenhainen und zwischen Schafherden. Bauernhof mit Rindern, schwarzen fröhlich grunzenden Schweinchen, ein paar Hühner und mindestens 6 Hähnen, schwarze Ziegen, ein Schimmel und viele viele Oliven. Auch ein grosser Gemüsegarten in dem alles mit allem wächst gehört dazu, eine Käserei und vier liebenswerte  junge Besitzer die den Hof restaurieren und betreiben. Am Abend füllt sich das Areal und es wird getanzt und vorallem geklatscht. Das machen die Spanier am liebsten und das können sie auch verdammt gut. Die Bühne ist ein einzges Unterhaltungsspektakel!

Als wir nach Cordoba zurück fahren, habe ich zum ersten Mal seit ich hier bin, das Gefühl heimzukommen.

30/09/2016

Curso nr° 1: Pomología

Con il sole cocente del mezzogiorno ci avviamo per il frutteto dell’università. Il corso di frutticultura è interessantissimo ed oltre il melo e la vite qui si trova di tutto. Durante le lezioni parliamo di ulivi e pesche, di scarsità d’acqua e delle conseguenze del cambio climatico che in Andalusia si nota ormai dal 2010. Inoltre al prof piacere ripetere che dal 2015 la Spagna sta esportando più olio d’oliva che l’Italia (nonostante gli imbrogli italiani riguardo alla provenienza dell’olio). Almeno specifica che il fatto non è dovuto a un merito particolare della produzione spagnola, bensì alla piccola Xylella che continua a spazzarsi via i raccolti del Sud Italia. In Spagna la Xylella non è ancora arrivata.

Noi intanto ci immergiamo nel mondo degli agrumi.

29/09/2016

El Alcázar de los Reyes

28/09/2016

Compras y comida

Cordoba macht’s einem nicht leicht. Oder vielleicht ist es generell der “Süden” der Welt. Rund eine Woche habe ich damit verbracht frische Milch zu suchen. Im Supermarkt hat mich die Verkäuferin nur blöd angeschaut: “Wie jetzt frische Milch, die nach einer Woche schlecht wird?”. Nach dem Motto: Wer kauft denn so was, wenn es leckere UHT Milch gibt, die den ganzen Monat schafft?. Ausgelacht wurde ich auch, als ich versuchte einen Notizblock aus Recyclingpapier zu kaufen, sowie Käse aus der Region. Wer weiß schon woher alles kommt. Jedenfalls fiel mir das Einkaufen recht schwer. In den Supermärkten gibt es nur riesige Familienpackungen (anscheinend gibt’s in Spanien noch die traditionelle Familie und man kauft jedesmal für mindestens fünf Leute ein anstatt der lästigen Singlehaushalte des Nordens), “eco” steht ausschließlich für “economico” und von ökologisch oder biologischen Produkten fehlt jede Spur. Ich hüte mich natürlich davor Obst und Gemüse im Supermarkt zu kaufen, doch auch beim “frutero” schmecken die Tomaten und die Pfirsiche* nach reichlich wenig. Was mache ich also falsch? Der Großteil des Gemüse und des Obstes, dass die EU verzehrt kommt doch direkt hier aus der Gegend. Außer natürlich die Äpfel, die kommen zum Glück immer und überall aus dem Vinschgau/Val Venosta, Südtirol. Dank einiger Tipps bin ich schlussendlich doch fündig geworden und es gibt tatsächlich zwei Geschäfte mit Bioprodukten. Von “Rapunzel”, über “Max Havelaar” bis  “bottega del mondo” sammelt sich hier alles. Da frag ich mich was nun sinnvoller ist? Bio aus Deutschland, Holland, Italien oder eben spanischer Supermarkt. Wahrscheinlich muss ich einfach mal am Morgen meinen Arsch bewegen und bis zur Plaza de la Corredera gehen um dort auf dem kleinen Markt mein Essen zu kaufen.

Auch de Uni treibt so ihre Späße mit mir. In der “cafetería” gibt es zwar guten Kaffee für 90 Cent, dafür heißt das Mittagsmenu der Mensa stets: Bla bla bla…fritiert mit Pommes!  Na ja, dieses Problem konnte ich zum Glück recht elegant lösen, in dem ich alle meine Nachmittagsvorlesungen gestrichen hab. Somit fahr ich nach den Vorlesungen zum Mittagessen heim und bleibt dann in Cordoba. Von 14 bis 17 Uhr ist hier sowieso “siesta” und dann läuft eh nichts. Übrigens isst in Spanien auch keiner vor 14.30 Uhr zu Mittag, man muss ja schließlich bis zum Abendessen gegen 21-22 Uhr durchhalten. “Mañana” fängt also irgendwann am Morgen an und geht so circa bis 16 Uhr, dann erst ist “tarde”.

Was man natürlich in Sachen “Essen” nicht vernachlässigen darf ist, dass so schwer der eigene Einkauf sich auch gestalten mag, Andalusien so seine Gourmet-Highlights hat.** Allen voran die herrlichen “berenjenas con miel” (frittierte Auberginen mit Honig), der “jamón ibérico” (Schinken aus der traditionellen Schweinehaltung mit Eichelmast und bestenfalls im Eichelhain), “pulpo al ajillo” (Oktopus mit Knoblauch), alles was sonst noch aus dem Meer kommt und man frittieren kann und mein neues Lieblingsessen. Salmorejo! Kurz, ein Tomatengazpacho mit Brot.

* parentesi per Papi: sai come si dice pesca in spagnolo? Melocoton! Ma che cavolo?? E la melacotogna si chiama “membrillo” e il mio cervello sta impazzendo! 🙂

** Apropos Highlights: Eli und Mami, ich glaub ich habe das Restaurant unseres Cordoba-Abstechers vor acht Jahren, in dem wir “lechuga frita” gegessen haben, wiedergefunden (siehe Bild). Es ist ganz bei mir in der Nähe und ich freu mich schon dort mal wieder Essen zu gehen!

25/09/2016:

Cordoba-Malaga-Tarifa-Cadiz-Sevilla-Cordoba o la rotta mediterranea occidentale

Giovedì sera conosco un gruppo di ragazzi tedeschi. Tra una birra e l’altra decidiamo di partire al mare. Tarifa. Un villaggio sul atlantico conosciuto tra surfisti per le sue onde favolose e tra lettori di giornali e notizie per le barche dei profughi dalla costa africana. Due graffiti al porto fanno notare che questo non è un posto qualsiasi: ecco la meta della rotta mediterranea occidentale per raggiungere l’Europa. Infatti a Tarifa l’Africa dista solo 15 km. Si vedono le montagne del Marocco dal finestrino dell’auto e provo un misto tra gioia di essere al mare e vergogna di essere in un posto così per una vacanza. -Ma davvero esiste una differenza tra venire in vacanza qui o andare in Liguria, dove i problemi dell’Africa ci sembrano più lontani?- Tarifa è bruttina e povera ma la gente e accogliente e gentile (come ovunque in Andalusia). Solo i negozi di marca dei surfisti stonano con l’atmosfera strana di questo piccolo porto.

Dopo la notte passata in un campeggio (ho dormito nel camperino di questa mia nuova amica tedesca) proseguiamo verso Nord. Per caso o per destino un cartello ci indica la strada per un caseificio nascosto fra le colline e dopo aver passato per la strada malandata giungiamo a una bellissima casetta bianca con tanto di mucche e tori e vista sul mare. E’ un piccolo caseificio di famiglia. 200 capre e dieci tipi di formaggio bio. E c’è pure il miele. Sono felice!

Dopo compre, discussioni e una bella camminata sotto il sole, arriviamo finalmente a una piccola baia con la sabbia bianca e il mare azzurro/turchese. Mi ricorda Monti Russu in Sardegna (forse anche perché i nudisti spagnoli assomigliano molto a quelli sardi ;)). Ci godiamo il sole, la spiaggia, il mare freddo (siamo comunque sulla costa atlantica). Una vacanza tranquilla insomma con questi tedeschi un po’ hippie, un po’ tedeschi ma soprattutto molto simpatici.

L’ultimo giorno passiamo a Caños de Meca per un ultimo tuffo in mare e torniamo a Cordoba passando per Cadìz e Sevilla. Nei campi si vedono torri eoliche, pannelli solari, oliveti, campi di frumento già raccolti e qua e là qualche piantagione di cottone. Il sedile della macchina è appiccicoso, la musica al massimo, gli oleandri al lato della strada in fiore e il cielo, come sempre, senza nuvole. Qui è ancora estate.

22/09/2016:

Habitación individual en piso compartido

Eine Wohnung habe ich auch schon gefunden. Mit genügend Glück und Ausdauer (bei 40 Grad C macht das Rumlaufen auch im September keinen Spass) findet sich in Cordoba schnell was. Zwischen 150 -250 Euro ist alles dabei. Von Kellerloch bis helle Wohnung mit Aussicht auf die königlichen Gärten vom Alcazar bietet sich so ziehmlich alles an. Ich habe natürlich die Wohnung mit der Aussicht auf die Gärten. Ein eigenes Zimmer mit Fenster zum schönen Innenhof, ein grosses Bett mit IKEA Bettwäsche, ein selbstkonstruiertes Möbelchen, das schon zweimal gedroht hat auseinanderzubrechen und so zu sagen ein eigenes Badezimmer. Ganz anders als in Zürich, suchen hier die Hausbesitzer ihre Mieter selber und vermieten die Zimmer einzeln. Nichts mit Castings und Smalltalk-Wettkämpfen und nett nicken und lächeln. “Dr Schneller isch dr Gschwinder”, sagt der Schweizer (-Nix mit die Leschtn sein die Beschtn!-). Jedenfalls war ich schnell genug und lebe nun seit vorgestern in diesem gemütlichen Appartment. Mit mir wohnt noch eine sympatische Studentin aus Deutschland und das dritte Zimmer wird Anfang Oktober neu vermietet, da es der Belgierin, die im Moment noch drin wohnt, in Cordoba doch nicht so gut gefällt. Angeblich habe wir auch einige Haustiere, die ich aber zum Glück noch nicht kennengerlernt habe (ganz im Gegenteil zu meiner Airbnb Unterkunft). Küchenschaben scheinen ein natürliches Phänomen zu sein und solang ich sie nicht sehe glaube ich nicht daran!
Das tollste an der Wohnung ist, dass der kleine Innenhof so schön und geplegt ist, dass ich immer Grüppchen von Touristen vor dem Eingangstor tümmeln. Sie starren mich dann neidisch an wenn ich meine Schlüssel zücke, das Tor aufsperre und in die ihnen verborgene und verwehrte Welt derer, die in Cordoba wohnen, verschwinde.

21/09/2016:

Universidad de Cordoba UCO/Escuela Superior de Ingeniería Agronómica y de Montes ETSIAM oder wer soll da noch was verstehen?

So bis Cordoba hab ich’s also geschafft. Und sogar vom Zentrum bis zum Campus Rabanales (oder wie eine große Tafel am Eingang so schön propagiert: Campus de Excelencìa Internacional Agroalimentario). Als ich am Montag um 8.30 Uhr dann auch noch meinen Vorlesungssaal finde, bin ich schon recht stolz auf mich. Der Campus Rabanales besteht nämlich aus mehreren, mehr oder wenig schönen Gebäuden, die ganz logisch eingeteilt werden in C1, C2, C3 etc. Diese Nummerierung fängt scheinbar willkürlich irgendwo an und macht einmal die Runde um das Areal und wer nicht weiß wo anfangen, findet die Reihenfolge nur schwer heraus. Die Nummerierung auf dem Plan, den mir die freundliche Dame an der Consejerìa (Auskunft) gibt, befolgt natürlich eine andere Zahlenabfolge. Der Plan im Internet eine dritte Version. Nun stehe ich also vor meiner Aula und diese ist leer. Keine Studenten, kein Professor. Also frage ich nochmals an der Consejerìa (jedes Gebäude hat nämlich immer eine oder mehrere, sehr hilfsbereite Damen und Herren die über alles und nichts Auskunft geben. ” Doch doch, der Kurs ist in diesem Raum”, meint die Dame, “Aber heute ist der erste Tag, dann ist vielleicht niemand da”. Das sei schon mal üblich bei Masterkursen. Manche fangen auch erst später an, aber dies sei dann von Professor zu Professor unterschiedlich. -Na dann- denke ich mir und warte zwei Stunden auf meine nächste Vorlesung. Wieder keine Menschenseele weit und breit. Das war’s für heute, ich fahre wieder zurück nach Cordoba.

So ähnlich verlaufen die folgenden Tage. -Nein der Professor ist noch im Urlaub-, -Ja der Kurs sollte eigentlich hier sein- , -Nein, dem Professor gefiel der Raum nicht, man sei jetzt irgendwoanders aber man wisse nicht wo-, -Nein der Kurs wurde auf den Nachmittag verlegt-. Gut, ich gebe auf und befolge nun eine neue Suche-Vorlesungs-Stragtegie. Ich setzte mich einfach in den Raum rein, in dem irgendwelche Studenten sind  und lasse mich vom Fach überraschen. Ehh.. Bachelorvorlesung aber egal: Pomologìa (Obstbau)! Super, schon sind alle Missverständnisse vergessen und das Semester gerettet. Ich beschließe deshalb meinen Stundenplan nach dem Motto: “Welche Kurse finden statt und und welche finde ich” zu gestalten.

Sobald ich nun andere Lebewesen gefunden habe, läuft alles viel einfacher. Der Professor von Pomologìa erklärt, dass er die heutige Stunde, ab nächster Woche, um zwei Stunden verschiebt und dass es je nach Wetterlage am Mittwoch oder am Freitag jeweils weitergeht. Das kann man dann ja schnell jede Woche abklären und kommunizieren. Einer der Mitstudenten klärt mich schliesslich über das Bachelorprogramm auf und zeigt mir auf meinem Plan, auf welchen WCs es immer Klopapier gibt und in welcher Cafeterìa der Kaffee am Besten schmeckt. Und auch, dass der mit der Brille aus der zweiten Reihe immer so viel redet und ewig lange Fragen stellt.

Heute Nachmittag schaffe ich es schließlich in die erste Mastervorlesung die ich eigentlich hätte besuchen wollen. Wir sind zu viert. Meine Mitstudenten freuen sich und schlagen vor spontan eine Fest zu veranstalten, weil sich mit mir der Frauenanteil im Masterstudium “Ingenierìa Agronòmica” drastisch erhöht hat. Und -muchas gracias- Tomàs erklärt mir das die ganzen mysteriösen leeren Vorlesungen erst am 3., 5. oder 10. Oktober beginnen. Dank meines verwirrten Gesichtes und meines strahlenden Lächelns, werde ich also aufgenommen in den geheimen Wissensaustausch der spanischen Mitstudenten und in den absolut coolen Kreis des Agronomiemasters: deren WhatsApp Gruppe! Ab jetzt kann nichts mehr schief gehen. Zum Abschluss dieses netten Kennenlernens darf ich von den Dolomiten erzählen und von den Schweizer Zollkontingenten. Zur Krönung des Tages werde ich schließlich noch mit dem Auto bis vor die Haustür chauffiert. Yeah!

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